
Viele Menschen spüren, dass es so etwas wie eine größere Liebe oder Wahrheit gibt, die über uns selbst hinausweist – auch wenn sie dafür unterschiedliche Worte verwenden. Ich bin christlich geprägt, und für mich trifft der Satz aus der Bibel „Gott ist Liebe“ genau das, worum es geht. Wenn ich hier von Gott und von „Gottes Willen“ schreibe, meine ich damit die Quelle einer Liebe, die größer ist als alles, was wir aus uns selbst hervorbringen können; Gottes Wille ist für mich nichts anderes als diese Liebe, die in konkreten Situationen Gestalt annimmt.
Von diesem Verständnis her bekommt für mich der Satz ‚Gottes Wille geschehe‘ eine ganz konkrete Bedeutung.
Gottes Wille geschehe. Für mich ist das keine bloße Floskel, sondern ein bewusster Weg, auf dem ich mehr Licht, Liebe und Wahrheit in die Welt bringen möchte. Tag für Tag suche ich diese göttliche Liebe zu erkennen und stelle meinen Willen unter sie – unter Gottes Willen –, damit seine Liebe geschehen kann. Das ist der Pfad, von dem ich erkannt habe, dass ich das Wirken und Wachsen dieser göttlichen Liebe auf Erden unterstützen kann.
Warum soll Gottes Wille geschehen?
Der Mensch ist durch Raum, Zeit und seine körperliche Wahrnehmung begrenzt. Der Mensch entstammt zwar aus der Liebe Gottes, doch durch Ego, eigene Entscheidungen, Hochmut und die beschriebene Begrenztheit leben wir nicht mehr in der vollen Einheit mit dieser Liebe – dadurch bleibt unsere Liebe eingeschränkt, selbst bei größtem Bemühen.
Gottes Wille hingegen ist Ausdruck göttlicher Liebe: allgegenwärtig, allumfassend, selbstlos und bedingungslos. Wenn Gottes Wille geschieht, kann diese vollkommene Liebe in der Welt wirksam werden. Darum soll er geschehen.
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Unser Menschsein sorgt dafür, dass wir nur an einem Ort gleichzeitig sein können und nur das wahrnehmen, was in unserem begrenzten Umfeld geschieht. Unser Leben verläuft in einer zeitlichen Abfolge: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft – wir wissen nie alles auf einmal und sehen immer nur einen Ausschnitt. Auch mit unseren Augen können wir nur das sehen, was in diesem materiellen Raumgefüge für uns sichtbar ist. Alles andere entzieht sich i.d.R. unserer Wahrnehmung. Ebenso mit allen anderen Sinnen.
Unser Menschsein und die damit verbundene Beschränktheit ist auch aus der großen Liebe Gottes entstanden. So kann auf eine ganz besondere Art und Weise Licht, Liebe und Wahrheit auf diese Erde kommen. Unsere Verbindung mit der Liebe Gottes bedarf des Glaubens und Vertrauens.
Im Laufe unseres Lebens bauen wir unweigerlich ein „Ich“ auf, weil wir durch Erziehung, Umgebung und Erfahrungen lernen, uns als getrenntes Wesen mit eigenen Rollen, Erwartungen und Schutzmechanismen zu erleben. Dieses Ego richtet unseren Blick stark auf das Eigene – auf Wünsche, Ängste und Vorstellungen – und überlagert so leicht die feine Wahrnehmung der Gegenwart und Liebe Gottes. Dadurch fließt unsere Liebe meist durch innere Filter wie Erwartung, Kontrolle oder Angst und bleibt an Bedingungen und Vorstellungen geknüpft. Und unsere Liebesfähigkeit ohne eine bewusste Verbindung zur göttlichen Liebe ist so begrenzt.
Gott hingegen – und für mich ist Gott Liebe – verkörpert eine göttliche Liebe, die in jedem Moment gegenwärtig ist und nichts und niemanden ausschließt. Sie ist allumfassend, weil sie jeden Menschen, jede Situation und jeden Ort mit einschließt – auch dort, wo wir sie nicht bewusst wahrnehmen. Sie ist absolut selbstlos, weil sie nichts für sich fordert, nichts zurückverlangt und sich nicht danach richtet, ob jemand „würdig“ ist oder nicht. Sie ist bedingungslos, weil sie unabhängig ist von Leistung, Herkunft, Religion, Charakter oder Vergangenheit. Diese Liebe trennt sich niemals von uns Menschen. Getrennt erleben wir uns nur dann, wenn in uns etwas entsteht, das sich von dieser Liebe abwendet. Während sie selbst unverändert bleibt und alles Sein durchdringt.
Wir Menschen können uns der göttlichen Liebe zuwenden, uns mit ihr verbinden, sie wahrnehmen und erkennen – wenn wir es wirklich wollen. Wir können diese Liebe in die Welt bringen, wenn wir ihr glauben und vertrauen. So kann Gottes Liebe durch unser Denken, Fühlen und Handeln in die Welt fließen.
Diese Liebe soll geschehen – das ist mein Wille.
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Es gab einmal ein großes Event, das ich gemeinsam mit zwei anderen organisiert habe. Viele Menschen waren involviert – bestimmt 20 bis 25 Helfer hatten sich um alles gekümmert: das Essen, das Programm, die Logistik und alles drumherum. Für 120 Teilnehmer verlief alles reibungslos und sehr gut. Es gab einen Ehrengast und unter den Helfern bildete sich eine kleine Gruppe, die unzufrieden war. Sie wünschten sich, dass der Ehrengast sich persönlich bei ihnen bedankt – das geschah jedoch nicht, und daraus entstand Frust. In einem Nachgespräch mit einer Person aus dieser Gruppe machte diese den Vorschlag: „Wir könnten uns untereinander für die gute Zusammenarbeit bedanken – ein gemeinsames Essen aus den überschüssigen Einnahmen finanzieren und alle Helfer einladen.“ Ich und die anderen aus dem Organisationsteam fanden das eine wunderschöne, liebevolle Idee. Ich machte mich sofort daran, das umzusetzen. Doch es lief überhaupt nicht rund. Zuerst gab es Probleme mit der Location, dann Schwierigkeiten, einen Termin zu finden, der für die Menschen passte, denen es doch so wichtig gewesen war. Ich war völlig ratlos und innerlich blockiert.
Ich fragte: „Gott, was ist los? Warum ist das alles so schwierig? Was stimmt an dieser Sache nicht? Ist es nicht etwas Gottgewolltes, Liebevolles, dass wir einander dankbar sind?“
Und dann kam die Antwort – klar und deutlich: Diese kleine Gruppe hatte eine Erwartung an einen anderen Menschen gestellt. Ein anderer sollte ihnen Dankbarkeit erweisen. Der Vorschlag für das Treffen war an sich eine gute und wertschätzende Idee. Gleichzeitig mischte sich in dieser kleinen Gruppe auch Trotz und verletzte Erwartung unter: „Uns wurde nicht gedankt, also danken wir uns selbst.“ Ich sollte mich lösen von der Vorstellung, dass ich für diese Gruppe einen passenden Termin finden und ihren Wünschen gerecht werden müsse.
Sobald ich das losgelassen hatte, waren Location und Termin innerhalb kürzester Zeit organisiert. Das Treffen selbst wurde ein voller Erfolg – viele Helfer kamen, alle waren fröhlich, herzlich und gut beieinander. Die Stimmung war wunderbar. Doch: Aus der kleinen, frustrierten Gruppe war nicht eine einzige Person dabei. Dabei wurde für mich sichtbar, dass hinter dem Vorschlag geistig etwas im Raum stand, das wir zunächst nicht erkannt hatten – eine Haltung, die nicht aus reiner Liebe kam, sondern aus verletztem Ego.
Hier habe ich erlebt, wie wichtig es ist, nicht nur auf die Idee, sondern auch auf die dahinterstehende Haltung zu achten.
Danke für deine Hilfe, lieber Gott.
Wie erfahren wir den Willen Gottes?
Den Willen Gottes zu erfahren geschieht auf sehr unterschiedliche Weise:
- Manchmal ist da eine plötzliche innere Gewissheit, ein stiller, aber deutlicher Gedanke, der sich von unseren Alltagsgedanken abhebt. Manchmal sprechen unerwartete Ereignisse, Begegnungen oder „Zufälle“ auf eine Weise zu uns, dass wir spüren: Hier ist mehr im Spiel als nur äußere Abläufe.
- Oft geschieht es aber auch so, dass wir auf unsere Fragen hin eine Antwort erhalten, wenn wir uns innerlich öffnen und Gott um Wegweisung bitten.
Gleichzeitig ist die göttliche Liebe immer da und für uns in jeder Sekunde erfahrbar – und doch nehmen wir Gottes Willen oft nicht wahr, weil wir in eigenen Vorstellungen, Sorgen und Wünschen verstrickt sind. Damit wir Gottes Willen erkennen können, braucht es ein inneres Freiwerden vom „Eigenen“ und eine offene Haltung: nicht die Bestätigung unseres Plans zu suchen, sondern bereit zu sein, einem größeren Liebeswillen zu dienen. Aus dieser inneren Ausrichtung heraus können wir feiner hören und unterscheiden, was wirklich Gottes Wille ist.
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Gottes Wille zeigt sich manchmal „von selbst“ und unerwartet, ohne dass wir Menschen Gott vorher darum bitten. Unterschiedlichste Berichte überliefern uns dies seit je her.
- In der Geschichte von Mose begegnet Gott ihm in einem brennenden Dornbusch, der nicht verbrennt, ruft ihn beim Namen und sendet ihn, Israel aus Ägypten zu führen.
- Der junge Samuel hört in der Nacht mehrmals eine leise Stimme, die ihn ruft, und lernt so, dass Gott selbst mit ihm spricht.
- Maria erfährt Gottes Willen, als der Engel Gabriel ihr erscheint und ihr die Geburt Jesu ankündigt.
- Paulus schließlich erlebt auf dem Weg nach Damaskus ein blendendes Licht und hört die Stimme des Auferstandenen, die sein ganzes Leben in eine neue Richtung stellt.
- Polykarp von Smyrna sieht im Gebet sein Kopfkissen in Flammen und deutet dies als Voraus-Hinweis Gottes auf die Art seines Leidens, so kann er sich innerlich auf das Martyrium vorbereiten.
- Hildegard von Bingen erlebt im Alter von 42 Jahren eine Vision und eine Stimme drängt sie: „Schreibe, was du siehst und hörst“.
- Mutter Teresa von Kalkutta erlebt 1946 auf einer Zugfahrt innerlich, wie Jesus sie ruft: „Komm, sei mein Licht“, und ihr seinen Durst nach Liebe und nach den „Ärmsten der Armen“ zeigt.
Auch heute berichten Menschen, dass sie auf ganz eigene Weise unerwartet etwas von Gottes Willen erfahren. Auch in meinem eigenen Leben gab es solche Erfahrungen, teils im Verborgenen und ohne dass ich zuvor ausdrücklich darum gebeten habe.
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Etwa 2003 nahm ich an einem Seminar teil. Damals war ich Jugendleiterin in der Johannischen Kirche. Die große Gruppe wurde in Kleingruppen aufgeteilt, und ich entschied mich für die Gruppe, in der es um die Arbeit mit Kindern gehen sollte. Wir waren ungefähr fünfzehn Personen, ich gehörte zu den jüngeren.
In der Runde wurde über die Wichtigkeit des Auswendiglernens von Liedern im Religionsunterricht, die Notwendigkeit des Lesens der Bibelgeschichten im Elternhaus und Ähnliches gesprochen. Ich sagte nichts; mit diesen Themen hatte ich mich bisher kaum beschäftigt, spürte aber in mir ein zunehmendes Unbehagen. Plötzlich hörte ich in mir deutlich eine Stimme, die mich drängte zu sagen, dass es darum geht, die Herzen der Kinder zu berühren.
Ich traute mich nicht. Die anderen sprachen alle in eine ganz andere Richtung, hielten ganz andere Dinge für wichtig, und ich sollte nun als Einzige „aus der Reihe tanzen“. Die innere Stimme wurde immer eindringlicher. Ich hoffte, jemand anderes würde etwas in diese Herzensrichtung einbringen, dem ich mich anschließen könnte – doch das geschah nicht. In mir wuchs eine richtige Not.
Als endlich Pause war, ging ich sofort hinaus, lief um die Häuser und weinte. Ich wusste genau, was ich hätte tun sollen, hatte aber den Mut nicht aufgebracht. Gleichzeitig wollte ich so gern das tun, was meine innere Stimme mir sagte. Also nahm ich mir fest vor, nach der Pause die eingegebenen Worte auszusprechen, und bat Gott, mir den richtigen Zeitpunkt dafür fühlen zu lassen.
Nach der Pause ging das Gespräch weiter. Ich fasste mir ein Herz und sagte: „Es ist wichtig, dass wir die Herzen der Kinder berühren.“ In diesem Moment fühlte ich mich wieder frei.
Für mich war das eine kleine, aber wichtige Lektion darin, Gottes innerem Drängen mehr zu vertrauen als der Angst, aus der Reihe zu tanzen.
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Neben den unerwarteten Erfahrungen von Gottes Willen können wir Gott auch bewusst darum bitten, uns seinen Willen mitzuteilen – in seiner Liebe zu bleiben oder neu in sie hineinzufinden.
- In der Regel tauchen nach unerwarteten Erfahrungen – ich nenne sie gerne „Erlebnisse der besonderen Art“ – Fragen in uns auf: Was bedeutet diese Botschaft, was sollen wir tun oder lassen, und wie soll es konkret weitergehen?
- Eine völlig andere Situation ist die, in der wir uns in einer Not erleben: Dann kommt uns Gott oft sehr schnell in den Sinn, und wir bitten um Hilfe.
- Im Alltag finden wir umso leichter in diese bittende Haltung, je mehr wir erkennen, dass wir aus uns heraus nicht in der Lage sind, die göttliche Liebe aus eigener Kraft zu leben. Diese Demut in uns schafft Raum dafür, den Willen Gottes zu erbitten und zu erfahren.
Doch wir lassen uns immer wieder von der Liebe Gottes abbringen und fallen in den Hochmut, Entscheidungen „genauso gut“ treffen zu können wie Gott. Er hat uns Verstand, Augen und Ohren gegeben, wir haben Lebenserfahrung gesammelt – und es ist gut, all das zu nutzen und Gutes zu tun. Und doch können wir es nicht so, wie Gott es kann.
Die innere Ausrichtung „Ich möchte Diener Gottes, Diener seiner Liebe, sein.“ hilft, weil sie den Blick weg von den eigenen Sorgen, Ängsten und dem Kreisen um das „Ich“ hin zu etwas Größerem und Tragenderem lenkt – zu Gottes Liebe. Wenn wir unseren Platz als Diener verstehen, entsteht in uns ein Gefühl von geführt sein, Vertrauen und Sinn, weil unser Leben, unsere Erfahrungen und sogar die schweren Zeiten nicht mehr zufällig nebeneinanderstehen; es geht nicht nur um „mich“, sondern ich bin auf etwas Größeres hin ausgerichtet: Darauf, dass durch mich Gottes Liebe wirken darf. Das hilft gerade in schweren Stunden in die Verbindung zu kommen.
Der Verstand spielt eine wichtige, aber dienende Rolle. Wir stellen ihn bewusst an den Platz, an den er gehört: als Werkzeug, das hilft zu prüfen, zu unterscheiden, zu planen und den Willen Gottes im Alltag umzusetzen – nicht als Herr, der alles kontrollieren oder entscheiden muss. So darf der Verstand unterstützen, Wege suchen und ordnen, ohne den inneren Ruf Gottes zu übertönen oder alles auf menschliche Logik zu reduzieren.
Gottes Willen können wir erfahren, wenn uns dies klar ist. Denn dann wollen wir wirklich Gottes Willen erfahren. Dann sind wir bereit uns von den eigenen Vorstellungen, Sorgen und Wünschen und unserem Hochmut freizumachen. Bestimmte Rahmensituationen können dieses Freimachen unterstützen. Mir gelingt es besonders gut in der Natur oder in einer ruhigen Umgebung, etwa in den Morgenstunden. Andere finden ihren Zugang mit Musik, beim Lesen der Bibel oder in meditativen Formen wie Yoga.
Und dann kommen
- Ideen und Impulse
- Antworten
- Konkrete Anweisungen
- Begründungen
- Hintergrundwissen
Die Art und Weise, wie die Ideen, Antworten und so weiter zu uns kommen, ist vielfältig:
- Gedanken und innere Eingebungen
- Gespräche mit anderen Menschen, die für uns zu einem Sprachrohr Gottes werden
- Träume oder Visionen
- Suche und ein Nachforschen in Schriften (Bücher, Bibel, Internet, …)
- Umstände und „Zufälle“, die sich überraschend passend fügen
Ebenso vielfältig ist die Form, in der wir sie wahrnehmen: als einzelnes Wort, als Satz, als inneres Bild, als Szene vor unserem inneren Auge oder als stillen, aber deutlichen inneren Eindruck.
Immer wieder gilt es sich führen zu lassen, in den großen wie in den kleinen Fragen, so kann allmählich die Klarheit in uns wachsen und gleichzeitig halten wir immer stärker die Verbindung zu Gott und können seine Liebe erkennen.
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Das Gottes Wille sich Menschen zeigt, nachdem sie ihn darum gebeten haben, können wir vielen Berichten entnehmen:
Mose – „Wer bist du, was soll ich sagen?“
- Situation: Mose hütet die Schafe, sieht den Dornbusch, der brennt und doch nicht verbrennt, und wird von Gott gerufen, Israel aus Ägypten zu führen (2. Mose 3).
- Seine Frage: Mose ringt mit seiner Sendung und fragt: „Wenn sie mich fragen: Wie ist sein Name – was soll ich ihnen sagen?“ Er möchte Klarheit, wer ihn da sendet und was er dem Volk sagen soll.
- Gottes Antwort: Gott stellt sich vor als „Ich bin, der ich bin“ (JHWH) und gibt Mose konkrete Sätze, die er dem Volk und dem Pharao sagen soll, dazu Zeichen (Stab, Hand, Wasser zu Blut) als Bestätigung.
Gideon – Zeichen in der Unsicherheit
- Situation: Israel leidet unter den Midianitern; in dieser Not beruft Gott Gideon, Israel aus ihrer Hand zu befreien – „Geh hin in dieser deiner Kraft und rette Israel … habe ich dich nicht gesandt?“. Gideon fühlt sich aber klein, zweifelt an sich und daran, dass Gott wirklich mit ihm ist (Richter 6).
- Seine Bitte: Er bittet ausdrücklich um Bestätigung: Einmal soll das Vlies nass und der Boden trocken sein, ein anderes Mal das Vlies trocken und der Boden nass – „wenn das so ist, dann weiß ich…“.
- Gottes Antwort: Gott geht auf seine Bitte ein und erfüllt beide Zeichen; dadurch wird Gideons Herz gestärkt und sein Auftrag, als Richter und Befreier zu handeln, bestätigt.
David – Wegweisung in konkreter Entscheidung
- Situation: David steht immer wieder vor sehr praktischen Fragen: Soll er in eine bestimmte Stadt ziehen? Soll er den Feinden nachjagen? Etwa nach dem Überfall der Amalekiter in 1. Samuel 30.
- Seine Bitte: „Soll ich dieser Schar nachjagen? Werde ich sie einholen?“ – es geht um eine riskante Entscheidung, bei der er Gottes Willen wissen möchte.
- Gottes Antwort: Durch das Befragen des Herrn (z.B. über den Priester/Ephod) erhält er eine klare Zusage: „Jage nach; du wirst gewiss einholen und alles erretten.“
Habakuk – Leben im „Trotzdem“
- Situation: Habakuk lebt in einer Zeit von Gewalt, Ungerechtigkeit und drohendem Gericht; er hat Gott bereits seine Klage gebracht und eine erste, schwer auszuhaltende Antwort erhalten (Buch Habakuk).
- Seine Reaktion/Frage: Nach Gottes Antwort bleibt vieles äußerlich dunkel; innerlich steht er vor der Frage, ob er Gott trotz ausbleibender sichtbarer Verbesserung weiter vertrauen kann.
- Gottes Antwort: Gott ruft ihn dazu auf, auf seine Verheißung zu warten und macht deutlich: „Der Gerechte wird durch seinen Glauben leben“ – nicht durch sichtbaren Erfolg oder sofortige Erfüllung.
Maria – „Wie soll das geschehen?“
- Situation: Der Engel Gabriel erscheint Maria und kündigt ihr an, dass sie den Sohn Gottes empfangen wird (Lukas 1).
- Ihre Frage: „Wie soll das zugehen, da ich von keinem Mann weiß?“ – es ist keine Zweifel-Frage gegen Gott, sondern ein echtes „Wie?“ in einer unmöglichen Situation.
- Gottes Antwort: Der Engel erklärt den Weg: Der Heilige Geist wird über sie kommen; das Kind wird Gottes Sohn genannt werden. Er gibt ihr außerdem ein Zeichen: Elisabeth, die als unfruchtbar galt, ist ebenfalls schwanger.
Kornelius – Gott antwortet durch einen anderen Menschen
- Situation: Kornelius, ein römischer Hauptmann in Cäsarea, betet regelmäßig, gibt Almosen und sucht Gott, ohne die Botschaft von Jesus schon zu kennen (Apostelgeschichte 10).
- Seine Bitte/Sehnsucht: Es wird nicht jedes einzelne Gebet wörtlich zitiert, aber der Text betont, dass er „immerzu zu Gott betete“ und Gottes Nähe und Willen suchte.
- Gottes Antwort: Ein Engel erscheint ihm in einer Vision, sagt, dass seine Gebete und Almosen vor Gott in Erinnerung sind, und gibt ihm eine konkrete Anweisung: Er soll Männer nach Joppe schicken, um Petrus holen zu lassen, „der wird dir sagen, was du tun sollst“. Durch das Gespräch mit Petrus erkennt Kornelius dann Gottes Wort und Willen für sein Leben.
Gandhi – Fasten auf die „innere Stimme“ hin
- Situation: 1932 sitzt Gandhi im Gefängnis von Yeravda, während die Briten getrennte Wählerlisten für „Unberührbare“ planen, was er als Vertiefung der Kasten-Spaltung erlebte.
- Seine Bitte/Frage: Im Gebet und in der Stille ringt er darum, was er tun soll.
- Gottes Antwort: Seine „innere Stimme“ sagt ihm: „Du musst fasten.“
Auf seine Rückfragen „Wann?“ Hört er „Morgen“. Gandhi beginnt am nächsten Tag an zu fasten.
Den Willen Gottes ernst nehmen: Glauben und Vertrauen
Haben wir den Willen Gottes erfahren, ist es wichtig, dass wir ihn nicht sofort wieder anzweifeln, sondern ernst nehmen.
Umso allumfassender, seltsamer, unlogischer oder herausfordernder der erfahrene Wille Gottes ist, umso mehr Glaube und Vertrauen ist notwendig, um ihn ernst zu nehmen. Reicht der Glaube nicht, hat der Zweifel leichtes Spiel. Soll das wirklich der Wille Gottes sein? Es spricht so vieles dagegen und dies und jenes ist doch nicht wirklich liebevoll, oder?
Ja, da meldet sich unser Verstand, der prüft, einordnet und Gründe sucht – und dabei leicht stärker wird als das, was wir innerlich gespürt habe. In solchen Momenten hilft mir die Erinnerung: Mein Verstand ist ein wertvolles Werkzeug, aber er bleibt begrenzt und kann die Größe von Gottes Liebe nicht vollständig fassen. Deshalb bitte ich Gott, mich im Glauben zu stärken – und immer wieder erlebe ich dann Dinge, die mir helfen zu glauben und zu vertrauen.
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Die Impulse, Antworten und Anweisungen, die kommen, wenn wir innerlich frei geworden sind, gefallen uns manchmal – und manchmal überhaupt nicht.
Manche verstehen wir nicht. Manche verlangen uns einiges ab oder machen uns sogar Angst. Bei manchen können wir uns kaum vorstellen, dass sie von Gott kommen; wir halten uns für die falschen Empfänger und wünschen uns, Gott hätte es jemand anderem gesagt. Manchmal kommen Begründungen oder Hintergrundwissen, die unserem Verstand helfen – oder alles, was wir bisher dachten, auf den Kopf stellen. Und manchmal kommt auch nichts oder zunächst nichts. All das will ernst genommen und mit Gott bewegt werden – und gerade das ist oft alles andere als leicht.
Besonders schwierig wird es, wenn Zweifel aufkommen wie: „Das war bestimmt gar nicht von Gott“ – und wir das Empfangene insgesamt in Frage stellen.
Herausfordernd ist es auch, wenn sich das Empfangene auf einen längeren Zeitraum oder eine ferne Zukunft bezieht: Es über die ganze Zeit ernst zu nehmen, ohne dass es im Hintergrund verblasst, kann anstrengend sein.
Gerade dann, wenn es anstrengend wird, hilft ein innerer Entschluss: Ich will glauben. Ich vertraue darauf, dass Gottes Liebe größer ist als mein Verstehen – und dass Glaube eine Kraft des Geistes ist, die wachsen darf. Unser Verstand darf prüfen und fragen, aber er muss nicht das letzte Wort haben; er ist Werkzeug der göttlichen Liebe, nicht ihr Herr.
Glaube und Vertrauen wachsen oft in kleinen Schritten. Wir können Gott in überschaubaren Dingen um eine Antwort bitten, das Empfangene umsetzen und dann bewusst hinschauen, welche Frucht daraus entsteht. So sammeln wir Erfahrungen, die unseren Glauben stärken – und mit der Zeit werden wir freier, auch größere Schritte im Vertrauen zu gehen.
Aus Gesprächen – besonders mit jungen Menschen – habe ich gelernt, dass wir im Alltag viele Erlebnisse haben, die unseren Glauben stärken könnten, wir sie aber gar nicht als solche wahrnehmen. Wenn wir achtsamer durch den Tag gehen, dankbar werden für kleine Fügungen, erhörte Bitten oder unerwartete Hilfen und sie im Gespräch mit Gott betrachten, wächst unser Vertrauen. So lernen wir, Gottes Spuren bewusster zu sehen und uns immer wieder neu auf seinen Willen einzulassen.
So wird Glauben nicht zu einer Leistung, die wir aus uns heraus erbringen müssen, sondern zu einem Weg, auf dem wir Schritt für Schritt entdecken, wie treu Gottes Liebe uns trägt.
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Dieser Teil ist in den letzten Jahren für mich am Schwersten geworden. Vorher war klar: Wusste ich erst einmal, was ich sollte, dann tat ich es – ich glaubte und vertraute. Zweifel gab es kaum, und wenn, dann waren sie nicht anhaltend, da sich alles drumherum fügte, gefühlt wie von selbst. Manchmal brauchte ich nur etwas Geduld dazu.
Doch inzwischen betrifft Gottes Führung mein ganzes Lebensumfeld mit einem Schlag und hat in kurzer Zeit mehrere große Veränderungen mit sich gebracht – in meiner Familie, meiner Arbeit, meiner Grundsicherung usw. Gerade deshalb kann ich jetzt hier davon schreiben. Wie sollte ich dies sonst können, wenn es in meinem Leben immer ganz einfach wäre, zu glauben und zu vertrauen?
Meine Lebenserfahrung ermöglicht es mir bisher, Glauben aufzubauen und Vertrauen in die Botschaften Gottes zu finden, selbst wenn sie noch so seltsam, unlogisch oder utopisch erscheinen. Immer wieder fordert sie mich zu Schritten heraus, die ich so von mir aus nicht gehen würde.
Ein Beispiel dafür ist das Jahr 2020, der Beginn der Corona-Zeit, in der viele Menschen um ihren Job bangten, ihre Existenz infrage gestellt war und große Angst herrschte.
Damals gab es ein solches Erlebnis der besonderen Art, das mir sagte, dass ich zukünftig auf Gut Schönhof tätig sein solle.
Ich lebte zu dieser Zeit in Hamburg, knapp 600 Kilometer entfernt, und hatte einen sehr sicheren, unkündbaren Job als Beamtin an einer staatlichen Schule.
Corona war in meiner Situation unangenehm, aber mein Einkommen war sicher, meine Arbeit war sicher. Und ein Ort knapp 600 Kilometer entfernt, an dem ich zukünftig arbeiten sollte, bedeutete, dass ich als Landesbeamtin meinen Job niederlegen müsste, um diese Aufgabe erfüllen zu können. Die Menschen um mich herum – Familie, Kollegen, Freunde, Geschwister aus der Kirche – waren entsetzt über diesen Gedanken, hielten ihn für völlig unverantwortlich und rieten mir eindringlich davon ab.
Trotzdem machte ich mich voller Gottvertrauen auf den Weg und arbeitete daran, mich auf Gut Schönhof einbringen zu können.
Die Schule hielt mich so lange fest, wie es ihr möglich war. Doch da ich fest entschlossen war, den Willen Gottes zu tun, fügte sich alles mit Gottes Hilfe, und es gab einen guten Abschluss an der Schule in Hamburg.
Doch damit war es nicht getan. Wie sollte meine Arbeit auf Gut Schönhof aussehen? Was sollte ich dort tun? Wie sollte ich es dort tun? Viele Fragen entstanden.
Ich stellte sie Gott. Ich bekam Antworten, mit denen ich zur damaligen Zeit manchmal nichts anfangen konnte.
Bei einigen weiß ich inzwischen, welchen Sinn sie hatten. Sie sind wahr geworden – etwas, das ich mir damals nicht hätte vorstellen können.
Ich ging auf die Menschen zu, die auf Gut Schönhof arbeiteten und Verantwortung trugen. Ich versuchte, gemeinsam mit ihnen Wege zu finden, da ich daran glaube, dass Gott zu jedem Menschen spricht. Dass jeder Mensch Gott hören kann.
Und dass wir es gemeinsam leichter und besser schaffen können, den Willen Gottes umzusetzen und Erlösung, Licht und Liebe in diese Welt zu bringen.
Wenn ich die fünf Jahre seit 2020 betrachte, war es ein sehr seltsamer Weg. Mein Verstand sagt, eine ziemlich verrückte Sache.
Doch das kenne ich bereits aus meiner Wanderschaft, die ich vor 23 Jahren machte.
Allein unterwegs zu sein, ohne Geld, ohne Ziel. Einfach draußen zu sein, in der Natur. Und immer im Vertrauen auf Gottes Führung. Er wird mir zeigen, wo ich langgehen soll. Mich auf jede Begegnung einzulassen, die ich haben werde. Zu erspüren, was sie für mich und für den anderen bedeuten kann oder soll. Darauf zu vertrauen, dass die Menschen mir Wasser und Nahrung geben würden – oder das, was ich sonst brauche und normalerweise mit Geld bezahle. Darauf zu vertrauen, dass auch ich ihnen immer etwas geben kann, was sie brauchen, entsprechend der Lebenssituation, in der sie selbst gerade stehen.
Das war eine besondere Zeit, die mich natürlich auch darin geprägt hat: Gott zu vertrauen, auch dann, wenn die Führung unsinnig oder gefährlich erschien. Rückblickend sehe ich: Gott hat mich auf dieser Wanderschaft in allem versorgt. Ich hatte genug zu essen und zu trinken, blieb gesund und munter und durfte viele kostbare Begegnungen und Erlebnisse haben. Gerade dadurch ist in mir die Gewissheit gewachsen, dass ich mich seinem Willen anvertrauen kann – auch dann, wenn der Weg unsicher wirkt und die nächsten Schritte im Dunkeln liegen.
Auch auf Gut Schönhof bin ich noch längst nicht „angekommen“ – vieles ist im Fluss, Entscheidungen stehen an, Wege eröffnen sich und schließen sich wieder. Immer wieder brauche ich den Mut, mein eigenes Durchplanen loszulassen und neu zu vertrauen, dass Gottes Wille geschehen darf und er den nächsten Schritt zur rechten Zeit zeigt. Gottes Wille wirkt oft unvernünftig aus Sicht des Verstandes – doch sowohl die Wanderschaft damals als auch der Weg nach Gut Schönhof haben mir gezeigt: Glauben heißt nicht, alles zu verstehen, sondern Schritt für Schritt zu gehen und unterwegs zu entdecken, wie treu Gott ist und wie seine Liebe trägt und führt.
Den Willen Gottes umsetzen
Ein fester Glaube und ein starkes Vertrauen schaffen in uns Entschlossenheit zur Umsetzung. Dies stärkt unseren Willen. Gleichzeitig erlebe ich, dass die Umsetzung oft mit innerer Überwindung verbunden ist: Mut zu neuen Schritten, das Loslassen vertrauter Muster, ein „Ja“ trotz Ungewissheit. Entscheidend ist für mich: Gottes Wille bleibt nicht nur ein Gedanke, den ich ausführen „muss“, sondern seine Liebe begleitet mich in diesem Prozess. In dem Maß, in dem ich gehe, erfahre ich, dass er mitgeht, Türen öffnet, Grenzen zeigt und mir Kraft schenkt, weiterzugehen.
Fazit
Wo wir den Willen Gottes hören, ihm vertrauen und ihn Schritt für Schritt umsetzen, bekommt seine Liebe in unserem Leben eine konkrete Form. Auf diese Weise kann durch unser Tun etwas von dem Licht, der Liebe und der Wahrheit aufscheinen, nach der sich diese Welt sehnt.
erarbeitet Dezember 2025

